Jul 2, 2015

Mein Körper und ich/ Beitrag zur Blogparade

Dieser Post ist Teil einer Blogparade, die Fee ins Leben gerufen hat und an der ich nun nach langem Blogschweigen spontan teilnehme.

Vor 25 Jahren war ich sehr traurig. Und weil ich traurig war, hörte ich auf zu essen. Einfach so. Und als ich aufhörte zu essen, fand ich das Dünnsein schön und schöner. Nur irgendwann sagte mein Körper: "Es reicht". Ich fiel in der Dusche um und beim Schulsport und traurig war ich immer noch. Nur eben traurig und sehr, sehr dünn. Aber ich bekam Hilfe und die Hilfe war gut und klar und richtig und wichtig und ich wurde ziemlich schnell gesund und merkte, wie gerne ich Essen habe. So einfach war das, so schwer.
Später bekam ich ein Kind und wurde richtig dick, noch dicker als andere Schwangere, weil ich soviel liegen musste. Und das Nichtessen wurde Teil meiner Geschichte, ein Teil von vielen.
Seit ca. 10 Jahren bin ich nun krank. Ich habe Schrauben im Rücken und Narben im Bauch.
Und seit zwei Monaten, keiner weiß warum, habe ich schlimme Schmerzen im Bauch und mir ist ständig übel. So übel, dass ich kaum mehr essen kann. Inzwischen habe ich 10 kg abgenommen und bin zwar nicht so dünn wie früher, aber gefährlich nahe dran. Und schön finde ich es gar nicht mehr, nur traurig. Ich sehe Zeitschriftencover und frage mich, wie ich jemals so etwas lesen konnte wie "die Bikinidiät". Oder überhaupt so einen Quatsch annehmen konnte über meinen Körper und das,was er leisten kann, darf und soll. Verschwendete Zeit, verschwendete Energie. Jetzt wird mein Körper gespiegelt, geröntgt, ins MRT geschoben und ich würde einfach nur gerne mit meinem Sohn Eis essen gehen. Oder auch nur Wassermelone. Ich versuche, Frieden zu schließen mit dem, was gerade passiert, mit dem Jetztzustand meines Körpers zu leben, ihn zu einem weiteren Teil meiner Geschichte zu machen und nicht zu einem Paralleluniversum, in dem nur ich und der Schmerz existieren. Das ist schwerer als alles, was ich je bewältigen musste.
Mein Körper hat 7 Operationen überstanden. Mein Körper hat ein gesundes und glückliches Kind auf die Welt gebracht. Mein Körper hat es verdient, dass ich ihm Liebe und Respekt entgegenbringe, auch wenn ich mich von ihm so bitterlich im Stich gelassen fühle. Mein Körper hat Ruhe verdient und Durchatmen und Schmerzfreiheit, schlafvolle Nächte mit leichten Träumen und Aufwachen ohne Angst. In der 4. Klasse hat mein Kind in einer Personenbeschreibung mich beschrieben: " meine Mutter ist nicht ganz dünn und nicht ganz dick." So einfach war das, so schön.